Snake Venom: das stärkste Bier der Welt
Wie die Schotten 67,5 % Alkohol brauten
Was passiert, wenn ein paar schottische Brauer beschließen, das stärkste Bier des Planeten zu schaffen? Die Antwort lautet Snake Venom. Ein Getränk mit 67,5 % Alkohol, das bis heute den Guinness-Rekord hält. Zum Vergleich: Normales Bier hat 4–5 %, Whisky oder Wodka etwa 40 %.
Von Armageddon zu Snake Venom
Lewis Shand und John McKenzie, die Gründer der Brauerei Brewmeister in Aberdeenshire, begannen mit einem Bier mit 65 % namens Armageddon. Auch das war damals ein Rekord. Ihr Ziel war verrückt: ein Bier zu brauen, das einen von den Füßen haut, aber am Gaumen weich bleibt.

Armageddon wurde ein Bier mit nussigem, karamelligem Profil und klassischer Hopfenbitterkeit. Die Brauer brachten rund 60 000 Flaschen heraus, kamen ins Guinness-Buch der Rekorde und bekamen sofort eine Welle von Beschwerden. Die Leute sagten, der Geschmack passe nicht zur Stärke. Man trinkt es wie ein gewöhnliches Craft-Bier und merkt dann, dass man offiziell sturzbetrunken ist. Manche Käufer wollten gar nicht glauben, dass es wirklich 65 % waren.
Shand und McKenzie waren gekränkt. Sie hatten jahrelang über dem Rezept geschwitzt, um die Stärke zu kaschieren, und die Leute waren unzufrieden. Die Lösung war von genialer Einfachheit: Na gut, ihr wollt Stärke, dann bekommt ihr Stärke. Neun Monate Arbeit brachten einen neuen Rekordhalter hervor.
Das Rezept des Gifts
Snake Venom ist eine ganz andere Geschichte. Scharf, bitter, mit deutlichem Geruch nach Malz und Hopfen. Ein kräftiger Geschmack nach geröstetem Brot. Schon am Aroma, sobald man die Flasche öffnet, ist klar: Man hält etwas Kräftiges in der Hand. Kräftig, nicht nuklear – ein wichtiger Unterschied.

Am Flaschenhals klebt ein gelbes Warnetikett. Darauf steht schlicht: in kleinen Schlucken trinken, wie Whisky. Nur mit dem Geschmack von Hopfen und Malz statt Rauch und Torf. Lewis Shand rät: nicht mehr als 35 ml auf einmal.
Die Brauer behaupten, es gebe kein Geheimnis: gut torfgeräuchertes Malz, zwei Hefearten, Bier- und Champagnerhefe, und das war’s. Die Technologie heißt Gefrierdestillation: Das Bier wird mehrfach eingefroren, das Eis entfernt und das Konzentrat behalten. So steigt die Stärke, ohne gegen das Reinheitsgebot zu verstoßen.
Experten sind skeptisch. In einem Interview mit The BeerCast räumte Lewis Shand ein, dass künftige Chargen angepasst werden könnten: „Wenn die Stärke abfällt oder zu hoch ausfällt, geben wir reinen Alkohol oder normales Bier hinzu“. Vielleicht gibt es also doch eine geheime Zutat.
Der Preis der Frage
Eine Flasche mit 275 ml kostet etwa 50 Pfund Sterling, rund 80 Dollar. Bei einer empfohlenen Portion von 30–35 ml reicht eine Flasche für 7–9 „Portionen“. Teuer? Ja. Aber das ist kein Bier für den Freitag nach der Arbeit, sondern ein Getränk für alle, die auf der Liste „Alles, was ich in meinem Leben probiert habe“ einen Haken setzen wollen.
Ein Rekord, den niemand schlägt
Seit 2013 hat es niemand geschafft, 67,5 % Alkohol auf ehrliche Weise zu übertreffen. Brewmeister hat sich seinen Platz im Guinness-Buch der Rekorde gesichert, und Snake Venom bleibt für Liebhaber extremer Biere ein unerreichbarer Gipfel.
Die Moral ist einfach: Der Perfektion sind keine Grenzen gesetzt. Besonders, wenn man Schotte ist und jemand einen gekränkt hat.
