Sangria: Die spanische Art, die Hitze zu überstehen und bei Verstand zu bleiben
Ehrlich gesagt ist Sangria eines der am meisten unterschätzten Getränke der Welt. Jeder kennt sie, jeder hat sie schon probiert, und doch macht sie fast niemand richtig. Außerhalb Spaniens ist sie fast überall eine süße rote Brühe mit schwimmenden Fruchtstücken, die man nicht einmal auf einem Picknick ohne Scham servieren möchte.
In Wirklichkeit ist Sangria ein sehr altes, praktisches und durchaus feines Getränk – wenn man sie mit Verstand zubereitet.
Woher diese Geschichte eigentlich kommt
Sangria entstand vor etwa vierhundert Jahren im Süden Spaniens. Damals arbeiteten die Obstpflücker unter der sengenden Sonne und trugen Weinschläuche mit mit Wasser verdünntem Rotwein bei sich. Um den Geschmack irgendwie zu überdecken und für Frische zu sorgen, begannen sie, direkt auf den Plantagen Orangen in den Wein auszupressen. Das Ergebnis war erfrischend, machte nicht sehr betrunken und löschte den Durst gut.
Mit der Zeit wurde das Rezept komplexer: Andere Früchte, Zucker und ein wenig Brandy kamen hinzu. Und der Name „Sangria“ (vom spanischen sangre – Blut) rührt von ihrer tiefroten Farbe her. Es gibt sogar eine düstere Legende über die Rioja des 17. Jahrhunderts und ein blutiges Massaker, nach dem die Bauern das Getränk angeblich zum Gedenken an die Toten so nannten. Ob das stimmt oder nur eine gute Geschichte ist, kann heute niemand mehr sicher sagen.

Warum Rotwein und Früchte
Rotwein allein lässt sich in der Hitze schwer trinken. Er ist schwer, gerbstoffreich und wird schnell warm. Früchte und Wasser lösen dieses Problem: Sie verdünnen, kühlen und machen das Getränk leicht. Der Wein verliert seinen Charakter nicht ganz – er wird nur leichter trinkbar.
Die klassische Fruchtauswahl besteht aus Orangen, Zitronen und Äpfeln. Manchmal kommen Pfirsiche, Beeren oder sogar Melone hinzu. Die Hauptsache ist, es mit der Süße nicht zu übertreiben. Eine gute Sangria sollte vor allem ein Weingetränk bleiben und kein Fruchtsaft mit Alkohol.
Wie echte Sangria gemacht wird
Das Grundrezept ist recht einfach, hat aber einige wichtige Feinheiten:
- Nehmen Sie einen guten trockenen Rotwein (nicht den billigsten, aber auch keinen Spitzenwein).
- Geben Sie in Scheiben geschnittene Früchte und etwas Zucker hinzu.
- Gießen Sie 40–50 ml Brandy oder Cognac dazu.
- Lassen Sie alles im Kühlschrank mindestens 2–3 Stunden ziehen, besser 6–8.
- Vor dem Servieren mit Sprudelwasser oder Limonade auffüllen und Eis hinzufügen.
Ein wichtiger Punkt: Das Sprudelwasser kommt immer zuletzt dazu. Gießt man es vorher ein, verliert die Sangria schnell ihre Kohlensäure und wird schal.
Die häufigsten Fehler
Die meisten verderben Sangria mit drei Dingen:
- Ein zu süßer Wein.
- Zu viel Fruchtsaft statt ganzer Früchte.
- Das Sprudelwasser sofort dazugießen und das Getränk dann stehen lassen.
Das Ergebnis ist entweder ein klebrig süßes Gebräu oder wässriger Unsinn, in dem man den Wein gar nicht mehr schmeckt.

Wozu man sie trinkt
Sangria funktioniert hervorragend als eigenständiges Getränk, entfaltet sich aber besonders gut zu spanischem Essen: Jamón, Tapas, Oliven, leichten Salaten und Meeresfrüchten. In der Hitze kann sie sogar Wein und Cocktail zugleich ersetzen.
Persönliche Meinung
Ich begegne Sangria mit Respekt. Es ist ein seltener Fall, in dem ein einfaches und sogar etwas derbes Getränk mit der Zeit zum Symbol eines ganzen Landes und eines ganzen Lebensgefühls wurde. Sie bleibt ein Arbeitsinstrument – schlicht, wirksam und sehr spanisch.
Richtig gemacht, kann Sangria überraschend gut schmecken. Und wenn man sie so zubereitet wie die meisten Touristenlokale, ist sie nur ein Mittel, Leute schnell betrunken zu machen, ohne sich um Qualität zu kümmern.
